Warum wir Frauen uns bei der Emanzipation teilweise selbst widersprechen.

Es kann stellenweise schon sehr widersprüchlich sein wie wir Frauen über Emanzipation denken und uns dann schlussendlich verhalten. Auf der einen Seite möchte Frau Einfluss nehmen und ernst genommen werden, auf der anderen Seite ist Frau nicht in der Lage Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Es muss schließlich mit zweierlei Maß gemessen werden.

Heute geht es mal darum zu hinterfragen warum wir Frauen uns in Emanzipationthemen so oft selbst wiedersprechen und was denn gegebenenfalls Auslöser für jenes Verhalten sein könnte. Denn das kommt auch nicht von ungefähr. Ich spreche in dem kommenden Blogeintrag in der “Wir” – Form, da ich mich selbst nicht von den widersprüchlichen Verhaltensweisen frei machen möchte. Wir verkacken alle mal. Also legen wir los.

Unter Emanzipation wird in diesem Kontext die Gleichstellung von Mann und Frau verstanden. Darüber hinaus definiert die Bundeszentrale für Politische Bildung Emanzipation wie folgt:

Emanzipation

“[lat.] E. bezeichnet einen Prozess der Befreiung aus Abhängigkeit und Unmündigkeit sowie der Verwirklichung der Selbstbestimmung, einem zentralen Ziel demokratischer Gesellschaften. Der Begriff wird oft im Zusammenhang mit der Unterprivilegierung gesellschaftlicher Gruppen (z. B. Frauen-E.) oder politischer Gemeinwesen verwendet.”

Bundeszentrale für Politische Bildung, 20211

Mit der Emanzipation soll also erreicht werden, dass Frauen sich aus dem historisch gewachsenen Abhängigkeitsverhältnis vom Mann lösen, um selbstbestimmter und demokratischer zu leben. Soweit so gut.

Das Thema Verantwortung

Das funktioniert auch so lange wie wir Damen der Schöpfung bereit sind für uns und unser Leben Verantwortung zu übernehmen. Doch daran scheitert es oftmals schon. Laut einer ElitePartner Studie von 2019 lassen sich Frauen geldtechnisch immernoch gerne versorgen und geben somit viel Verantwortung an den Mann ab. Paradoxerweise jedoch halten mehr als dreiviertel der Befragten finanzielle Unabhängigkeit für unglaublich wichtig. Nach außen hin wird ein ganz feines Bild abgegeben, solange der Mann weiterhin den Lebensstandard mitfinanziert. Noch interessanter ist, dass mit zunehmender Beziehungsdauer die Verantwortung für das Haupteinkommen immer mehr an den Mann abgegeben wird. Vor allem nachdem eine Familie gegründet wurde. Aber selbst besserverdienende Frauen sehen sich nicht verstärkt in der Versorgerrolle.2 Diese suchen stattdessen nach einem Mann der sozial noch weiter über ihnen steht. Frau will ja schließlich zu ihrem starken und verantwortlichen Versorgerpartner aufsehen können. Wo kämen wir denn auch hin, wenn wir jetzt noch alle Rechnungen bezahlen müssten…wir haben ja schließlich genug in der Küche zu tun. (Achtung Ironie)

Gleichberechtigung und Social Media

Wir konnten eben schon feststellen, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem, was wir Frauen als wichtig und notwendig erachten und dem, was tatsächlich gelebt wird. Es scheint wieder in Ordnung zu sein mit zweierlei Maß zu messen. Dieses Phänomen tritt auch verstärkt in den sozialen Medien auf. Dort ist es akzeptiert und wird sogar angestrebt, sich als unschuldiges, unterwürfiges, teilweise engelsgleiches Wesen mit vollen Lippen und Venuskörper zu inszenieren.3 Es geht nur darum hübsch und sexy auszusehen, um den Herren möglichst viel vor zu machen. Frei nach dem Motto: Sex sells.

Den Vogel abgeschossen haben Frauen auf der 2016 gegründeten Platform OnlyFans. Dort geht es darum den Fans eine möglichst exklusive Followererfahrung gegen Geld zu bieten. Die Damen lassen sich alles bezahlen.

Du willst eine Woche jeden morgen Privatnachten von deinem Fangirl? Gerne! Das macht dann 39,99 Dollar bitte. Wenn du mehr willst, dann zahlst du bitte mehr. Vielen Dank.

22, ist für ihre Fans da

Wo auf der einen Seite Sexarbeit verpönt ist, da wenige Damen ihren Körper jemals so offensiv verkaufen würden, findet es so langsam in bestimmten (virtuellen) Teilen der Gesellschaft Akzeptanz. Da die Platform als Instagramähnlich empfunden wird ist für die NutzerInnen alles halb so wild. “Ist ja nur ein Foto”. Und Frau will ja auch “für die Fans da sein”. Es lohnt sich ja schließlich die Beine gegen Geld breit zu machen. Klarer Fall: Gier frisst Hirn.

In der realen Welt wird das Ganze eher subtiler gehandhabt statt sich so sexistisch zu bestimmten Themen zu bekennen wie auf OnlyFans, Instagram oder TikTok. Da geht es nach außen hin um Diskretion, Feminismus und Selbstbestimmung. Und das, liebe Ladys, ist schon wieder so schrecklich widersprüchlich.

Selbstbestimmt in die Sexarbeit?

Wenn wir schon beim Thema Sex sind, dann bleiben wir da noch ein wenig. Ist ja auch schön. Sex ist schön. Sexarbeit dafür eher weniger. Und die große Frage, die sich mir in diesem Kontext stellt ist, wie es möglich sein soll, dass wir Frauen von Männern respektiert und als gleichberechtigt angesehen werden solange manche noch so gerne ihre Körper verkaufen.4 Natürlich kann man hier vorbringen, dass die meisten Frauen in dieser Branche dies aus freien Stücken tun. Sie bewahren die Kontrolle, weil sie ja diejenigen sind, die das Geld einfordern und die Rahmenbedingungen vorgeben. Nichtdestotrotz ist auch hier ein Ungleichgewicht zu erkennen, wenn man betrachtet wie viele Männer sich für Frauen anbieten und umgekehrt.

Ca.  93 % der Personen, die sich prostituieren, sind Schätzungen nach weiblich – nur 4 % hingegen sind männlich.5

Allein das Wort “Prostituierte” ist weiblich. Männer hingegen sind die Callboys und weniger bekannt. Aber keine Sorge, ich mach jetzt kein Gender-Fass auf. Was ich damit sagen will ist, dass es hier noch einiges an Aufholbedarf gibt, da in der Sexarbeit immernoch ein großes Machtgefälle zwischen dem dominierendem Mann und der abhängigen Frau existiert. Es kann durchaus sein, dass die Frau mehr Geld durch das Verkaufen ihres Körpers verdient als ihr männlicher Kunde. Aber es geht hier wie gesagt nicht ausschließlich um das Geld, sondern auch sehr viel um Dominanz und Macht. Denn die wird nach wie vor eher den Herren der Schöpfung zugesprochen. Und Frauen unterstützen das tatkräftig.

Frauen sind sexistisch – gegen sich selbst

Wir Frauen machen uns gegenseitig runter. Das ist leider kein Geheimnis. Unter dem Phänomen Stutenbissigkeit bekannt machen sich Frauen gegenseitig das Leben schwer. Nach außen hin wird angepriesen, dass man sich gegenseitig unterstütze und füreinander da sei. Aber hier kennt die Solidarität schnell ihre Grenzen.6

“Ich arbeite einfach lieber mit Männern zusammen. Das ist entspannter. Mit Frauen zu arbeiten führt schlussendlich immer zu Stress.”

Frau, 29, disst sich gerade selbst

Es wird sich gegenseitig daran gehindert Karriere zu machen, man grenzt andere aus, macht andere runter, um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Frau hat die Meinung akzeptiert, ihresgleichen zum schwächeren Geschlecht zuzuordnen. Sie möchte sich nun von der Menge abheben indem sie andere Damen schlecht macht, um so individuelle Stärke zu beweisen.

Und genauso kommen wir nicht weiter. Wenn wir uns nichtmal selbst als gleichwertig sehen?! Aber warum ist das eigentlich so?

Ein Blick in die Kindheit

“Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.”, das wusste schon Hermann Hesse. Alle Menschen kommen als unbeschriebenes Blatt auf die Welt mit nahezu unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten. Jedoch wird man oft zu dem, was man ist, durch das, was man sein soll. Oder was andere von einem erwarten. Gerade in der Kindererziehung wird auch wieder mit zweierlei Maß gemessen bezüglich Jungen und Mädchen. Die Jungs, die kann man machen lassen, die sind für sich selbst verantwortlich. Die Mädels, auf die muss man aufpassen. Die Jungs sollen sich raufen, laut sein, im Dreck spielen. Die Mädchen sollen anständig sein, ruhig, ein Bild malen. Belohnungsmechanismen und ab wann man welches Geschlecht zurecht weist, wenn es “Grenzen” überschreitet, sind bei Jungen und Mädchen sehr unterschiedlich. Bei Jungen dultet man aufmüpfiges Verhalten viel länger als bei Mädchen. Und da wir Frauen auch gerne anecken, es aber nicht dürfen, mussten wir lernen es so subtil wie möglich zu tun.

Man wird oft zu dem, was man ist, durch das, was man sein soll.

Bei den Jungs ist das ganz anders. Die unterstützen sich gegenseitig und schauen zu dem auf, der am besten Fußball spielt oder am stärksten ist. Wer sich dem Starken anschließt bekommt selbst etwas Stärke ab. In diesem Umfeld kommt man selten auf die Idee sich gegenseitig zu schaden.

Wir verstehen, dass paradoxe Verhaltensweien auf die unterschiedliche Erziehung von Jungen und Mädchen zurück zu führen ist und wir Frauen nicht an allem selbst Schuld sind. Diese Doppeldeutigkeit kommt nicht von ungefähr, schließlich sind die ersten Lebensjahre die Prägensten und das Gelernte ist nichts, was man so einfach ausschalten kann. Auch, wenn man es gerne so hätte. Ich schließe mich da wie gesagt selbst nicht aus. Nichtsdestotrotz möchte ich jedoch an dieser Stelle wieder zum selber nachdenken anregen und an alle Frauen da draußen appellieren:

Übernehmt Verantwortung, sagt was ihr möchtet, bleibt stark, macht euch nicht gegenseitig runter und bitte, bitte: Überlegt zweimal, inwiefern es zielführend ist den eigenen Körper anzubieten. Denn solange wir uns derart unterwürfig präsentieren, kann und wird das mit der Gleichberechtigung nichts werden.

1Bundeszentrale für Politische Bildung (2021)

2ElitePartner “Geld & Liebe (2019)

3 Plan International Deutschland e.V. (2019)

4In diesem Kontext wird ganz gezielt über die Prostituierten gesprochen, die sich aus eigener Motivation dazu entschieden haben ihren Körper zu verkaufen. Von jeglicher Form des illegalen Sexgeschäfts wird sich in diesem Blog ausdrücklich distanziert. Diesen Menschen sollte man helfen und sind hier nicht gemeint.

5Lightup (2017)

6hessenschau.de (2021)

Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.